Die Grundrechtskonformität freiheitsbeschränkender Massnahmen in psychiatrischen Einrichtungen
klar festzulegen.66 Die Richtlinien sollten überdies genaue Angaben
über die Weiterbildung des Personals sowie über die internen und
externen Beschwerdemöglichkeiten beinhalten.
Freiheitsbeschränkende Massnahmen dürfen nur von einem
Arzt oder einer Ärztin mit Chefarztfunktion angeordnet oder müs
sen durch diese Personen autorisiert werden.67 Damit wird dem Er
fordernis nach medizinischer Notwendigkeit entsprochen.68 Auch
sind sie nur unter medizinischer Aufsicht durchzuführen und regel
mässig auf ihre Notwendigkeit hin zu überprüfen.69
Mit Blick auf die Nachvollziehbarkeit solcher Massnahmen
schreiben die menschenrechtlichen Vorgaben schliesslich zwecks
Nachvollziehbarkeit eine detaillierte Erfassung dieser Massnahmen
in einem Register vor. Namentlich sollen Beginn und Ende, die Um
stände, die Gründe, der Name des anordnenden Arztes oder der
anordnenden Ärztin sowie Hinweise auf allfällig erlittene Verletzun
gen sorgfältig protokolliert werden.70 Auch sollten die betroffenen
Personen stets Zugang zu den darin aufgeführten Informationen
haben und es sollte ihnen eine Kopie ausgehändigt werden.71 Nach
Beendigung der Massnahme sollte zudem mit den betroffenen Pa
tienten eine Nachbesprechung durchgeführt werden.72 Zudem soll
ten unabhängige Beschwerdemechanismen zur Verfügung stehen,
die eine gerichtliche Überprüfung der Massnahmen ermöglichen.73
Gegen solche Massnahmen kann sowohl der Patient als auch sein
gesetzlicher Vertreter Beschwerde einreichen.
CPT/Inf(2017)6, Ziff. 1.7.
66
CPT/Inf(2017)6, Ziff. 2; vgl. SPT, Approach informed consent, Ziff. 15 (Behandlung ohne Zustimmung); vgl. WHOGrundsätze psychische Gesundheit, Ziff. 4.
67
Vgl. S. 36 oben.
68
Art. 27 Ziff. 2 und 3 (i) Empfehlung Rec(2004)10 (Psychische Krankheiten) (Absonderung und Zwang); WHO-Grundsätze
psychische Gesundheit, Ziff. 4.
69
Art. 384 Abs. 1 i.V.m. Art. 438 ZGB (Bewegungseinschränkende Massnahmen); vgl. z.B. Art. 54 Abs. 2 des
Gesundheitsgesetzes (GesG) vom 16. November 1999 des Kantons Freiburg (BDLF 821.0.1); CPT/Inf(2017)6, Ziff. 11.1; vgl.
Art. 19 Ziff. 1 (iv) (Behandlung ohne Zustimmung) Empfehlung Rec(2004)10 (Psychische Krankheiten); vgl. SPT, Approach
informed consent, Ziff. 9 und 16 (Behandlung ohne Zustimmung); vgl. WHO QualityRights Tool Kit, Assessing and
improving quality and human rights in mental health and social care facilities, Geneva 2012, Standard 4.2.5 ; vgl. SAMWRL Zwangsmassnahmen, Ziff. 4.1.2. Siehe auch CPT, Rapport au Conseil fédéral suisse relatif à la visite effectuée en Suisse
par le Comité européen pour la prévention de la torture et des peines ou traitements inhumains ou dégradants (CPT) du
13 au 24 avril 2015, CPT/Inf (2016) 18, 23 juin 2016 (zit. CPT, Bericht Schweiz 2016), Ziff. 150.
70
CPT/Inf(2017)6, Ziff. 11.1; SPT, Approach informed consent, Ziff. 19 (Behandlung ohne Zustimmung).
71
CPT/Inf(2017)6, Ziff. 8.
72
CPT/Inf(2017)6, Ziff. 12.
73
Tätigkeitsbericht NKVF 2016
37
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