Die Grundrechtskonformität freiheitsbeschränkender Massnahmen in psychiatrischen Einrichtungen Die psychiatrische Behandlung, welche oftmals auf einem medi­ kamentösen Ansatz beruht, ist durch ein sinnvolles Angebot an ­rehabilitativen und therapeutischen Aktivitäten zu ergänzen. Der Behandlungsplan sollte u.a. Aktivitäten wie Beschäftigungs-, Grup­ pen- oder Einzelpsychotherapie, Kunst, Theater, Musik und Sport umfassen. Die Patienten sollten regelmäßigen Zugang zu passend eingerichteten Aufenthaltsräumen haben und täglich die Möglich­ keit haben, sich an der frischen Luft zu bewegen. Es ist gleichfalls wünschenswert, dass ihnen Unterricht und passende Arbeit ange­ boten wird.45 Die Behandlung ist auf die Erhaltung und Stärkung der persönlichen Selbständigkeit zu richten.46 Der Gesundheitszu­ stand der Patienten und Patientinnen und jede verordnete Medika­ tion sind u.a. mit Blick auf eine Verlegung oder Entlassung regel­ mässig zu überprüfen.47 d.  Freiheitsbeschränkende Massnahmen i. Allgemeine Grundsätze Bei urteilsfähigen Personen sind freiheitsbeschränkende Mass­ nahmen in der Form von bewegungseinschränkenden und/oder medizinischen Massnahmen ohne Zustimmung grundsätzlich nicht zulässig. Ausnahmsweise können sie im Rahmen einer behördlich angeordneten unfreiwilligen Unterbringung zur Anwendung kom­ men. Solche Massnahmen müssen gesetzlich vorgesehen, durch ein öffentliches Interesse gerechtfertigt und verhältnismässig sein.48 Sie sollen nur als ultima ratio Massnahmen49 in Fällen von Selbstoder Fremdgefährdung eingesetzt werden.50 Es ist jeweils das mil­ CPT/Inf (98) 12, Ziff. 37. 45 MI Principles, Nr. 9 Ziff. 4. 46 CPT/Inf (98) 12, Ziff. 40. 47 CPT Standards, Means of restraint in psychiatric establishments for adults (revised CPT standards), CPT/Inf(2017)6 (zit. CPT/ Inf(2017)6), Ziff. 1.4; Empfehlung R(98)7 des Ministerkomitees des Europarates über ethische und organisatorische Aspekte der Gesundheitsversorgung in Gefängnissen vom 8. April 1998 (Recommendation R (98) 7 of the Committee of Ministers to member States concerning the ethical and organisational aspects of health care in prison, 8 April 1998) (zit. Empfehlung R(98)7 (Gesundheitsversorgung)), Ziff. 14 (Ausnahmen zum informed consent); vgl. Mindestgrundsätze der Vereinten Nationen für die Behandlung der Gefangenen (Nelson-Mandela-Regeln), Res. 70/175 der UN-Generalversammlung vom 17. Dezember 2015, A/RES/70/175 (United Nations Standard Minimum Rules for the Treatment of Prisoners (the Nelson Mandela Rules), resolution 70/175 adopted by the General Assembly, 17 December 2015, A/RES/70/175), Regel 47 Ziff. 2 (Zwangsmittel). 48 CPT/Inf(2017)6, Ziff. 1.4. 49 CPT/Inf(2017)6, Ziff. 1.1. Dazu auch Art. 27 Ziff. 1 Empfehlung Rec(2004)10 (Psychische Krankheiten) (Absonderung und Zwang); Approach of the Subcommittee on Prevention of Torture and Other Cruel, Inhuman or Degrading Treatment or Punishment regarding the rights of persons institutionalized and treated medically without informed consent, 26 January 2016, CAT/OP/27/2 (zit. SPT, Approach informed consent), Ziff. 9 (nur aus Sicherheitsgründen); vgl. auch WHO-Grundsätze psychische Gesundheit, Ziff. 4; vgl. Nelson-Mandela-Regeln, Regel 48 Ziff. 1 lit. a (Zwangsmittel). Z.B. EGMR, Tali gegen Estland, 66393/10 (2014), Ziff. 81; EGMR, Bures gegen Tschechische Republik, 37679/08 (2012), Ziff. 95-97 (Mittel körperlichen Zwangs). 50 34 Tätigkeitsbericht NKVF 2016

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