118 Dschihad-Gedanken haben im Islam eine lange Tradition. Der Groÿe Dschihad als der Kampf gegen die eigene Triebseele, um ein dem Koran gemäÿes Leben zu führen, und der Kleine Dschihad als der Kampf gegen die Ungläubigen sind zu unterscheiden. Seit Jahrhunderten war es als die Aufgabe jeden einzelnen Muslims angesehen worden, den islamischen Herrschaftsbereich gegen die Feinde auszubreiten. Die Picht des gläubigen Muslims ist es, auch mit Waen zur Verteidigung des eigenen Landes bzw. der islamischen Nationengemeinde zu kämpfen, sofern ein Angri vorliegt. Diese Auassung erfuhr nach der demütigenden Niederlage der arabischen Welt gegen Israel eine Radikalisierung unter dem Einuss radikaler Islamisten wie dem Ägypter Qutb und dem Palästinenser A... Azzam. Beide predigten einen kompromisslosen Dschihad. Der Sieg in Afghanistan gegen die Russen wurde als Zeichen göttlichen Wohlwollens angesehen und spornte zu weiteren Taten an. Der Dschihad war nun nicht mehr der Kampf für ein Heimatland, sondern für Gott und den Sieg des Islam weltweit. Diese Einstellung, gepaart mit dem Hass gegen den Westen, insbesondere gegen Amerika, dem man es nicht verzieh, die arabische Halbinsel mit den heiligen Städten zu besetzen, fand in den 90er Jahren neue Nahrung. Die Kriege im Irak, Bosnien und Tschetschenien, der Palästinakonikt stärkten die radikalen Islamisten. Es kam vieles zusammen, ein übersteigertes Nationalgefühl, die von fremden Einüssen besetzte arabische Halbinsel und die fehlende arabische Identität. Der feste Glauben, dass der im Dschihad gefallene Märtyrer eine Sonderstellung im Paradies genieÿt, verlieh diesem radikalen Gedankengut eine besondere Wucht und immer neuen Nachschub von zum Selbstmord bereiten jungen Männern. Die Verwendung von heilsgeschichtlichem Vokabular lieÿ ein Klima von extremer Entschlossenheit und Radikalität entstehen. Das politische Ziel, die arabische Souveränität wieder herzustellen, wurde mit den Verheiÿungen des Paradieses für den Märtyrer religiös eingekleidet. Bin Laden machte sich das in seinen Botschaften und Aufrufen zu Eigen, worauf noch einzugehen sein wird. 119 Dieses radikale Gedankengut beherrschte zunehmend die Gruppe um Atta. Ein Angri auf die islamische Nationengemeinschaft wurde darin gesehen, dass in Saudi Arabien, wo sich die Heiligtümer von Mekka und Medina benden, seit Jahren US-amerikanisches Militär stationiert war. Zunehmend strebten es die Mitglieder der Gruppe an, für die Interessen der islamischen Nationengemeinschaft, der umma, in den gewaltsamen Kampf zu ziehen und in ihm zu sterben. Diese Notwendigkeit wurde immer wieder diskutiert und schlieÿlich in die Tat umgesetzt. Bei vielen Mitgliedern der Gruppe bestand der feste Glaube, dass man als im Kampf gegen die Ungläubigen getöteter Märtyrer in das Paradies einziehen und dort besonderer Genüsse teilhaftig werden würde. Aus diesem Glauben heraus stellte Atta seiner bis zum 9. August 1999 fertig gestellten Diplomarbeit, die sich mit dem Städtebau in Aleppo befasste, einen Vers aus dem Koran voran, der lautet: Mein Gebet und meine Opferung und mein Leben und mein Tod gehören Allah, dem Herren der Welten. Im Internet sah sich Atta nach Informationen, die ihm bei einer Teilnahme am gewaltsamen Dschihad hilfreich sein konnten, um und speicherte zu einem nicht festgestellten Zeitpunkt 26

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